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Radschlepper "Rheinfahrt IX" - Teil 2

Das fertige Modell

von Alexander Schuch (1:120 Eigenbau)

Die Geschichte der Dampfschleppschiffart...

Zu Beginn der Flussfahrt vor über 2 000 Jahren durch die Römer wurden noch Segel und Ruder benutzt. Das änderte sich kaum, aber ab dem Mittelalter kam die Treidelschiffart hinzu. Treideln hieß mit Menschen- oder Pferdekraft ein Boot gegen den Strom zu ziehen. Eine elende, schlechtbezahlte Plackerei. 20-30 Menschen- auch Frauen und Kinder- stemmten sich in ein Seil welches vom Top des Schiffsmastes abging und zogen so den Kahn. Auch Ochsen- und Pferdegespanne kamen zum Einsatz, aber anfangs selten... die Tiere waren einfach wertvoller als Menschen, heutzutage unglaublich.

Radschlepper "Rheinfahrt IX" - Teil 2

Radschlepper "Rheinfahrt IX" - Teil 2

Mit dem Aufkommen der Dampfkraft starb das Treideln schnell aus. Nur auf einigen französischen Kanälen zogen E-Loks noch lange die Kähne. Die meisten Wander und Radwege am Flußufer folgen noch heute den alten Treidelpfaden. Mit dem Aufkommen von Dampfschiffen begann auch die Zeit der Schleppschiffahrt. Neben den Räderbooten gab es noch eine zweite, anderst gelagerte Art der Schleppschiffahrt: Die Kettenschleppfahrt und die Tauerei. Bei dieser Form des Güterverkehrs zog sich ein Dampfer ohne Schaufel oder Schraubenantrieb zusammen mit den angehängten Kähnen an einer, auf dem Flussboden verlegten Kette oder Tau, entlang zum Ziel. Die Kette lief dabei über mehrere große Räder an der Seite des Dampfers. Bei manchen Flußfähren kann man dieses Prinzip bis heute sehen.

Radschlepper "Rheinfahrt IX" - Teil 2

Diese Schiffe hießen im Volksmund „Hexen“- wegen dem Dampf und dem Maschinenlärm. Gegen 1920 starb diese Sonderform der Schlepperei aus. Keines dieser Schiffe ist mehr erhalten. Mit der Firma Stinnes begann die Zeit der Dampfschleppschiffart auf dem Rhein. Ihr erster Dampfer hatte noch einen Rumpf aus Holz, aber schnell wurde beim Schiffbau auf Eisen umgestellt. Anfangs konnten nur vergleichsweise geringe Ladungen transportiert werden, erstens wegen der geringen Maschinenleistung und zweitens aufgrund der kleinen Kähne. Mit dem Aufkommen der Eisenschiffe änderte sich das erheblich. Ein solcher Verband konnte später bis zu einem Kilometer lang werden, 8-10 Schleppkähne haben und bis zu 10 000Tonnen Masse umfassen.

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Wie wurde so ein Schleppzug zusammengestellt?

Die Antriebslosen Rheinkähne wurden von einem Hafen- oder Versetzboot (. Ein kleiner Motorschlepper) in den Strom gebracht und verankert. Von achtern kam nun der Großschlepper auf, ging an jedem Schiff längsseits um die Trosse zu übergeben, angefangen bei den schwersten Kähnen, die direkt hinter dem Schlepper kamen. Diese konnten bis zu 1350 Tonnen Zuladung aufweisen und 100m lang sein. Nachdem nun alle Schleppkähne ihren Platz hatten- der richtige Abstand wurde dem Schlepper mit Flaggen- oder Lichtsignalen mitgeteilt- wurde Dampf aufgemacht und die Reise begann.

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Die Schlepper verbrauchten für ihre bis zu 2 000 PS starken Maschinen ca. 4-5 To. Kohle pro Stunde. Zu Beginn jeder Reise wurde so viel Kohle gebunkert, das auch weite Bereiche des Oberdecks damit belegt waren. Die eigentlichen Kohlenbunker befanden sich, gleich den Seeschiffen, in der Schiffswand um die Maschinenräume. Das Wasser zur Dampferzeugung wurde direkt dem Fluß entnommen, nur fein gesiebt und ansonsten nicht aufbereitet. Lediglich Trinkwasser wurde geladen. Die Kessel eines solchen Schiffes gingen nur bei einer Reparatur oder beim Verschrotten des Schiffes aus, ansonsten köchelten sie vor sich hin, wenn kein Schleppbetrieb war. Dennoch dauerte es 3-4 Std. bis sie wieder auf vollem Betriebsdruck waren.

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Wenn die Strömung zu stark wurde, z.b. bei Flußverengungen oder im „Gebirge“- dem Bereich um das Binger Loch und der Lorelei- wurden die Kähne losgemacht und verankert. Danach wurden sie schubweise über die Engstelle gezogen, wieder zusammengekoppelt und die Reise ging weiter. Da nicht alle Schleppkähne das selbe Ziel hatten mußte der Schleppzug unterwegs auch getrennt werden. Dazu wurde beim Erreichen der Hafen- oder Flußmündung auf dem Kahn Ruder gelegt und das Boot scherte- noch an der Schleppleine- in die Richtung seines Bestimmungsorts aus. Die Schleppleine lief noch bis über den Beginn der Hafen- oder Flußmündung mit, und wurde dann losgemacht. Der dadurch mitgegebene Fahrtimpuls reichte meist aus um im stillen Hafenwasser bis zum Liegeplatz zu treiben. An Flußmündungen wurde nach Verbrauch der Restenergie geankert, bis ein Verholboot das Schiff zum Bestimmungshafen oder einem neuen Schleppverband zog.

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Bis in die 40er Jahre gab es hunderte solcher Schleppzüge auf dem Rhein, bis die Lufthoheit der Allierten das vorläufige Ende brachte. Die Schiffe wurden massenweise von Jabos vernichtet, trotz des Versuchs diese Schiffe mit Flak zu bewaffnen.

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1945 erging der allgemeine Versenkungsbefehl und bald lagen die meisten noch übriggebliebenen Schiffe- Schlepper wie Kähne- auf dem Fluß- oder Hafengrund. Nach 1945 begann die Schleppschiffahrt, beeinträchtigt durch Verbote der Siegermächte nur sehr langsam. Alle noch brauchbaren Schiffe wurden Repariert und nach und nach wieder in Fahrt gebracht. Es waren Boote von mehr als 60 Jahren alter darunter.

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Mit dem Aufkommen geeigneter Dieselmotoren wurden nun vermehrt Schleppkähne in sogenannte „Selbstfahrer“ umgebaut und wirtschaftlichere Dieselschlepper begannen schnell die Dampfschlepper abzulösen. Mit Beginn der 60er Jahre starben die Räderboote aus. Heute gibt es nur noch ein solches Schiff: Das Museumsschiff „Oskar Huber“ in Duisburg.

Radschlepper "Rheinfahrt IX" - Teil 2

Auch die Dieselschlepper sind fast verschwunden. Heute regieren die Motorschiffe und Schubverbände. Schlepper werden meist nur noch zum ziehen von Havaristen genutzt.

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Alexander Schuch

Publiziert am 26. Juli 2004

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